Jährlich werden 1,2 Millionen Tonnen organische Lösemittel in der BRD verwendet und allein im Heimwerkerbereich verdunsten jährlich 115.000 Tonnen Lösemittel durch Anstrichstoffe.
Sie schädigen unsere Umwelt und belasten darüber hinaus auch unsere Gesundheit. Wenn Sie schon mal zu tief in den Farbtopf gesehen haben, wissen Sie, dass Lösemittel zu Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Allergien oder Übelkeit führen können. "Schnüffler" machen sich die narkotische Wirkung von Lösemitteln zunutze, müssen aber mit anhaltenden körperlichen Beeinträchtigungen rechnen.
Wegen der hohen Giftigkeit von Lösemitteln sind lösungsmittelfreie Produkte vorzuziehen. Lässt sich der Umgang mit diesen Stoffen nicht vermeiden, sollte zumindest auf ausreichende Lüftung auch nach den Renovierungsarbeiten geachtet werden.
Wasser ist ein Lösungsmittel, das wir alltäglich selbst verwenden. Dahingegen sind organische Lösemittel grundsätzlich gesundheitsgefährdend. Einige bekannte Beispiele synthetischer, organischer Lösemittel sind Aceton, Xylol, Toluol, Benzol, Ethanol, Methanol oder Chloroform.
Lösemittel aus natürlichen Rohstoffen gewonnen sind z.B. Balsamterpentinöl (aus dem Kiefernharz) oder Citrusschalenöl (aus Citrusschalen).
Lösemittel finden sich unter anderem in Farben, Lacken, sonstigen Oberflächen-Behandlungsmittel, Verdünnern, Abbeizmitteln, Klebstoffen, Korrekturtinten, Filzstiften, Feuerzeugen, Geruchsverbesserern, Schuhcreme und Kosmetikprodukten in unterschiedlichen Konzentrationen.
Beispiel: Lösemittelgehalt in Farben
| Dispersionsfarben (Wandfarben) | max. 2 % |
| Acryllacke (Lacke mit dem blauen Engel, Wasserlacke) | max. 10 % |
| Alkydharzlacke | 10-50% |
| Nitrolacke | ca. 70 % |
Die Aufnahme von Lösemittel erfolgt über die Atmung, Nahrung und Haut. Zumeist wird die Aufnahme über die Haut unterschätzt. Lösemittel haben eine stark hautentfettende Wirkung, begünstigen Ekzeme und dringen über die Haut in das Körperinnere ein. Deshalb sind beim Umgang mit Lösemitteln Handschuhe als Schutzmaßnahme zu empfehlen.
Grundsätzlich haben alle organischen Lösemittel ein gesundheitsgefährdendes Potential. Viele schädigen das Nervensystem, und einige sind sogar krebserzeugend.
Handwerker, die viel Kontakt mit Lösemitteln haben, klagen häufig über Schleimhautreizungen und chronische Beeinträchtigungen wie Nieren- und Leberschäden.
Einige Beispiele: Benzol gilt als eindeutig krebserregend. Testbenzin führt zu Schleimhautreizungen, Erbrechen und Lungenentzündung. Xylol und Toluol verursachen u.a. Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwächegefühl.
Aber auch natürliche Lösemittel sind nicht harmlos. Citrusschalenöl oder Balsamterpentinöl können Schleimhautreizungen und Allergien hervorrufen.
Organische Lösemittel tragen im Zusammenspiel mit Stickoxiden der Autoabgase und der UV-Strahlung zur bodennahen Ozonbildung bei. Dieses Phänomen ist bekannt unter dem Namen Ozon- oder Sommersmog. Bodennahes Ozon wird für das Waldsterben mitverantwortlich gemacht. (Beim Menschen wird die Lungenfunktion beeinträchtigt.)
Während bodennahes Ozon aufgebaut wird, bewirken einige Lösemittel einen Abbau des Ozons in der Stratosphäre, jene Schicht also, die uns vor der gefährlichen UV-Strahlung schützt.
Diese Frage lässt sich nicht pauschal Beantworten, denn das Ausdunstungsverhalten hängt von zahlreichen Faktoren ab. Zunächst lassen sich leicht und schwer flüchtige Lösemittel unterscheiden, wobei erstere schneller verdunsten. Verkleben Sie beispielsweise einen Teppichboden, so ist dessen Beschaffenheit entscheidend. Ein dampfundurchlässiger Boden bewirkt nur ein langsames Abdunsten. Darüber hinaus ist die Temperatur wichtig. Es kann Monate dauern bis erhöhte Lösemittelkonzentrationen wieder abklingen. Auf den Geruchssinn kann man sich dabei nicht verlassen, da manche Lösemittel grundsätzlich nicht oder erst ab gewissen Konzentrationen mit der Nase wahrnehmbar sind.
Organische Lösemittel lassen sich in der Raumluft nachweisen. Unterschieden wird zwischen aktiver und passiver Probenahme. Bei der aktiven Probenahme wird eine definierte Raumluftmenge mittels einer Pumpe durch ein mit Aktivkohle bestücktes Glasröhrchen gezogen und anschließend im Labor analysiert.
Passive Probenahme heißt, dass ein Aktivkohleröhrchen über ca. 7 Tage ohne aktive Luftansaugung aufgestellt und anschließend im Labor analysiert wird.
Quellen:
"Bio contra Chemie", H.J. Nantke, H.J. Kursawa-Stucke, H.P. Brix, Stiftung Verbraucherinstitut Berlin (Hrsg.)